Anästhesie

 

Angstfaktor Narkose

Erfahrungsgemäß ist die Narkose ein großer Angstfaktor für Tierbesitzer.

Eine großangelegte Studie aus England zeigt allerdings, dass bei optimalem Monitoring und konsequenter Überwachung aller Vitalparameter das Risiko für Narkosezwischenfälle sehr gering ist. Im Allgemeinen (Tiere mit und ohne Vorerkrankungen) liegt das Risiko im Zusammenhang mit einer Narkose zu versterben für Hunde bei 0,17% und für Katzen bei 0,24%. Aufgeteilt in die Tiere ohne Vorerkrankungen und mit Vorerkrankungen zeigten sich folgende Zahlen: für gesunde Hunde liegt das Risiko bei 0,05% und für gesunde Katzen bei 0,11%. Bei kranken Tieren ist das Risiko leicht erhöht, und zwar für kranke Hunde bei 1,33% und für kranke Katzen bei 1,4%. 

Wie sieht dieses optimale Monitoring
aus und wie führen wir das
in unserer Praxis durch?

1. Vorbereitung

Im Idealfall machen wir ein paar Tage vor der geplanten Narkose eine Blutuntersuchung, um die Funktion aller Organe zu überprüfen.

Am OP-Tag erscheinen Sie dann mit ihrem Liebling in unserer Praxis. Ihr Tier wird gewogen und wir beginnen mit der präanästhetischen Untersuchung.

Wir versichern uns tagesaktuell, ob ihr Tier in einem narkosetauglichen Zustand ist. Dazu gehört, dass es nüchtern sein muss. Nüchtern bedeutet dabei, dass ca. 8h keine Futteraufnahme stattgefunden haben sollte. Das ist wichtig, denn unter der Narkose werden Schutzreflexe wie Schlucken und Husten ausgeschaltet. Ist der Magen nicht leer, kann Mageninhalt die Speiseröhre hochsteigen und dabei in Luftröhre und Lunge gelangen. Das nennt man Aspiration, welche zu einer schweren Lungenentzündung, Atemnot und im schlimmsten Fall zu lebensbedrohlichen Komplikationen führen kann. Aber Vorsicht. Wasser darf in den meisten Fällen bis 1-2h vor dem Termin angeboten werden.

Außerdem werden folgende Vitalparameter erhoben:

Atmung

Durch genaue Betrachtung lässt sich das Heben und Senken des Brustkorbs erkennen. Mittels Abhören mit dem Stethoskop werden folgende Parameter kontrolliert: Atemfrequenz, Atemtiefe und Atemgeräusche. Die physiologische Atemfrequenz liegt beim Hund zwischen 10 und 40 Atemzügen pro Minute und bei der Katze zwischen 20 und 30 Atemzügen pro Minute.

Herzschlag

Wiederum wird mit Hilfe eines Stethoskops die Herzfrequenz und der Herzschlag beurteilt. Die normale Herzfrequenz liegt beim großen Hund bei 60-90 Schlägen pro Minute, beim kleinen Hund bei 80-120 Schlägen pro Minute und bei Katzen bei 108-132 Schlägen pro Minute. Der Herzschlag sollte frei von Nebengeräuschen, taktrein, gleichmäßig und kräftig sein.

2. Sedierung

Bleibt die Untersuchung ohne besonderen Befund, gibt es die erste Sedierung als Spritze in einen Muskel. Die verwendeten Medikamente werden individuell auf Ihr Tier und die geplante Operation angepasst. Ihr Liebling schläft ein, wird bewusstlos, ist aber noch weckbar und zeigt je nach Gemütszustand und Temperament Reaktionen auf äußerliche Reize. In diesem Zustand legen wir einen peripheren Venenkatheter, welcher der direkten Medikamenten- und Infusionsgabe dient.

3. Vertiefung der Sedierung und Intubation

Um Intubieren zu können, sprich die Atemwege zu sichern, wird die Sedierung vertieft. Über den Endotrachealtubus wird im weiteren Verlauf neben Sauerstoff auch das Narkosegas zugeführt.

4. Inhalationsnarkose

Eine Inhalationsnarkose ist eine Form der Vollnarkose, bei der das Narkosemittel über die Atmung aufgenommen wird Nach erfolgter Intubation kann das Narkosegas direkt über Schlauch und Tubus in die Lunge unseres Patienten gelangen. Diese Form der Narkose ist gut steuerbar, die Wirkung endet relativ schnell nach Abstellen des Gases und die Narkosetiefe kann genau angepasst werden.

Während der Narkose werden folgende Vitalparameter kontinuierlich gemessen und protokolliert:

Puls

Beim Puls legen wir ein genaues Augenmerk auf die Pulsfrequenz, -qualität und -gleichmäßigkeit. Also wie viele Pulswellen spüre ich pro Minute, wie kräftig fühlt er sich an und sind die Abstände zwischen zwei Pulswellen ungefähr gleichgroß. Dies kontrollieren wir durch Fühlen an den Gliedmaßen. Parallel betrachten wir die Herzfrequenz, die mittels Stethoskop direkt über dem Herzen gemessen wird. Im Idealfall unterscheiden sich Puls- und Herzfrequenz nicht. Kommen die vom Herz ausgesandten Impulse jedoch nicht alle an den Gliedmaßen an, spricht man von einem Pulsdefizit. Ursachen hierfür können vielfältig sein. Beispielhaft seien Hypotonie (zu niedriger Blutdruck) und Extrasystolen (zusätzliche Herzaktion außerhalb des normalen Rhythmus) genannt.

EKG

Das Elektrokardiogramm zeigt kontinuierlich die Herzfrequenz und die elektrische Aktivität am Herzen an. Dafür bringen wir drei Klebe- oder Klemmelektroden am Tier an. Mithilfe des EKG können wir Aussagen über die Herzfrequenz, den Herzrhythmus, die Vorhoftätigkeit, mögliche Extrasystolen, usw. treffen.

Blutdruck

Den Blutdruck messen wir standardmäßig nicht-invasiv, sprich von außen mit einer Blutdruckmanschette. Die Messung erfolgt kontinuierlich während der gesamten Narkosedauer. Hierbei werden zwei Werte ermittelt: der höhere systolische Druck (Blut wird aus dem Herzen gepresst) und der niedrigere diastolische Druck (Blut strömt wieder ins Herz ein). Aus beiden Werten lässt sich dann der Mittlere-Arterielle-Blutdruck ermitteln.

Sauerstoffsättigung

Die arterielle Sauerstoffsättigung wird mithilfe der nicht-invasiven Pulsoxymetrie gemessen. Das funktioniert rein physikalisch über die Messung der Absorption von Licht in verschiedenen Wellenlängen (mit Sauerstoff beladenes Hämoglobin zeigt andere Absorptionen als Hämoglobin ohne Sauerstoff). Das Pulsoxymeter kann dabei zum Beispiel ganz einfach an Ohren, Pfoten oder Zunge geklemmt werden und liefert uns wertvolle Daten zur Sauerstoffversorgung.

Kapnographie

Die Kapnographie dient der Messung des Kohlenstoffdioxid-Partialdruck in der Atemluft. Die gemessenen Werte von In- und Exspiration werden auf dem Narkosemonitor mit einer Kurve graphisch dargestellt und liefern Informationen über den Gasaustausch in der Lunge unseres Patienten.

Temperatur

Die physiologische Thermoregulation wird durch die Anästhesie stark beeinträchtigt. Damit Ihr Liebling während der OP nicht auskühlt, wird er aktiv über ein Warmluftgebläse von uns gewärmt. Unabdingbar ist dabei die ständige Kontrolle der Körpertemperatur, um die Maßnahmen entsprechend anzupassen und sowohl eine Hypothermie (zu niedrige Temperatur) als auch eine Hyperthermie (zu hohe Temperatur) zu vermeiden.

5. Operation

Sind alle Vorbereitungen getroffen und der Patient stabil kann die Operation starten. 

6. Aufwachphase

Nach Beendigung der Operation, wird das Narkosegas abgestellt und die Aufwachphase eingeleitet. Je nach verwendeter Medikamente können wir Wirkungen antagonisieren (aufheben) und das Aufwachen beschleunigen. Sobald unsere Patienten selbstständig und bewusst Atmen, entfernen wir den Trachealtubus. In ruhiger Umgebung unter ständiger Überwachung können sie dann ganz entspannt aufwachen.

7. Abholung

Sobald Ihr Liebling steh- und gehfähig ist, darf er von Ihnen abgeholt werden. Je nach Eingriff und Wetterlage sollten Sie mit Auto und ein paar Decken anreisen, um es unseren Fellnasen so angenehm wie möglich zu machen.

8. Zuhause

Zuhause angekommen gönnen Sie Ihrem Tier Ruhe und halten Sie es bei Bedarf weiterhin warm. Katzen sollten Zugang zum Katzenklo erhalten, Hunde nur kurz und an der Leine ausgeführt werden. Sobald Ihr Liebling wieder normal läuft, können Sie ihm eine kleine Portion Wasser und Futter anbieten, insofern der Patient dies gut frisst und nicht erbricht, kann etwas später eine weitere kleine Portion angeboten werden.

Darüber hinaus arbeiten wir bei Risikopatienten zusätzlich mit einer Beleganästhesistin (Tina Schäfer: www.isianaesthesie.de) zusammen.

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Wir bitten Sie Termine für die Sprechstunde immer vorher
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